Medienpädagogik » Projekte » "Wo sind die Frauen???" theater-machen

"Wo sind die Frauen???"

Theater-machen hat das vierte Projekt in der JVA Wriezen gestartet – und es geht mal wieder ans Eingemachte: Männer und Frauen!

Was ist eigentlich typisch männlich, typisch weiblich? Welche Vorurteile gibt es? Was bewundert mann an Männern, an Frauen? Was hat es mit Homophobie, Feminismus oder Machotum auf sich – gerade im Knast?

Wie geht eine Beziehung, die über einen längeren Zeitraum nur über Besuchstage, kurze Telefongespräche und Briefe geführt wird? Kann das funktionieren? Oder ist es hinter Gittern einfacher, besser, stressfreier, wenn es keinen Partner in der Welt da draussen gibt?

Die Projektteilnehmer werden sich in einem halben Jahr mit verschiedenen Geschlechterbildern auseinandersetzen und darüber einen Film drehen – in Eigenregie.
Und los geht´s…

gallery/jva1.jpg

Dezember 2011:

"Was ist typisch Mann? Was ist typisch Frau? Welche Vorurteile gibt es? Wie stehst Du zum Thema Homosexualität? Sind Männer gewalttätiger als Frauen? Und warum hängen eigentlich nackte Frauen in Deiner Zelle??"

Diese und andere brennende Fragen rund um Männer und Frauen hat sich die Filmgruppe PRIDEBILD der JVA Wriezen in Brandenburg ausgedacht, um sie dann Mitgefangenen zu stellen.

Zudem wurden diese und ähnliche Fragen auch den Menschen unterbreitet, die in der JVA mit den Inhaftierten arbeiten: SozialpädagogInnen, Justizvollzugsbeamte, Seelsorger..."Glauben Sie, dass ein Mann/ eine Frau Ihren Job hier besser machen könnte?"

gallery/jva2.jpgHerausgekommen sind ganz unterschiedliche, meist sehr offene An- und Einsichten zu den Geschlechtern - und nicht zuletzt ehrliche Worte zum Thema Liebe.

Im Vorfeld wurde zunächst inhaltlich gearbeitet: eigene Männer-/Frauenbilder sowie Familienkonstellationen wurden reflektiert, die Medien unter die Lupe genommen (wie kommen Männer und Frauen da rüber?), Vorurteile ausdiskutiert, VertreterInnen des LSVD Berlin-Brandenburg stellten sich den offenen und direkten Fragen der Projektgruppe zum Thema Homosexualität.

Parallel dazu wurde die Technik ausprobiert und Ideen für eine Filmdramaturgie entworfen - wie gehe ich mit einer Kamera um, wie bekomme ich "schöne" Bilder? Was sind Schnittbilder? Wie sorge ich für guten Ton? Was braucht ein Film, um nicht langweilig zu werden?

Und schliesslich dachte sich die Gruppe einen Fragenkatalog für ihre zukünftigen Interviewpartner aus und übte es, Interviews zu führen.

gallery/jva9.jpgBemerkenswert war, dass fast alle vier Teilnehmer sich sowohl als Kameramann und Interviewer betätigten sowie sich auch später um Schnitt und Musik (mit Hilfe von GarageBand gemafrei gebastelt) kümmerten. Nur ein Teilnehmer übernahm den Ton und blieb auch dabei. (Völlig in Ordnung.)
Die Motivation, möglichst viele verschiedene Sachen rund um dieses Projekt auszuprobieren war also sehr hoch.

Und zu guter Letzt: die vier Männer von PRIDEBILD zeigten bei den wöchentlichen Projekttreffen über ein halbes Jahr hinweg Interesse,eigenständiges Handeln, Motivation, hatten kreative Ideen und meistens gute Laune.
Auch das ist in einer JVA, die ihren ganz eigenen Realitäten folgt, welche mit dem Leben "draussen" wenig bis nix zu tun haben, beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Zurück zur Projektübersicht